Märchen von Mühlen und Müllern


Märchen In unseren Märchenbüchern haben wir viele Märchen zum Thema Mühlen gefunden. Hier eine kleine Auswahl:

  • Der gestiefelte Kater
  • Hans im Glück
  • Rumpelstilzchen
  • Die Glücksmühle
  • Der arme Müllerbursche und das Kätzchen
  • Der Goldmüller

Märchen

Es war einmal ein Müllerbursch. der war arm wie eine Kirchenmaus. Dennoch war er allzeit fröhlich und arbeitete fleißig bei einem geizigen Müller. Eines Tages hörte Stoffel, so hieß der Bursche jammervolle Töne. Als er in der Kammer nachschaute, fand er eine weiße Maus in einer Falle gefangen, deren Schwänzchen sich eingeklemmt hatte. Die Maus schaute ihn flehend an. Und da konnte Stoffel nicht anders, er öffnete die Falle und nahm die Maus heraus. Diese zitterte in seiner Hand, doch sie machte nicht den Versuch, zu fliehen. Außerdem schien sie heftige Schmerzen zu haben. „Armes Tier", sprach der Bursche, „fürchte dich nicht, ich tue dir nichts zuleide. Bleibe so lange bei mir, bis du wieder gesund bist. Ich will dich betreuen." Er bettete die Maus in ein Wolltuch und verließ sie dann, um seiner Arbeit nachzugehen. Nach ein paar Tagen bemerkte der der Müller, wie Stoffel immer um die Mittagszeit mit einer Handvoll Körner in seine Kammer ging und erst nach geraumer Weile wieder herauskam. Er wurde neugierig, und außerdem gönnte er dem Burschen die paar Körner nicht. So trat er an einem Tag in die Kammer und sah wie Stoffel/ eine weiße Maus in der Hand hielt und sie fütterte. Darüber geriet der Müller in Zorn. Er zeterte um seine guten Körner und wollte die Maus töten. Stoffel aber schützte sie, und da ihm der Müller das Haus verwies, verließ er es samt der Maus.

Nun hatte der Busche den Arbeitsplatz verloren, und er wusste nicht wohin gehen. Als er zu einer Wegkreuzung kam, vernahm er aus seiner Tasche, worin die Maus saß ein deutliches „Halt“. Verwundert blieb er stehen und nahm die Maus heraus, Die sprach auf einmal mit menschlicher Stimme: „Hier müssen wir uns trennen, lieber Stoffel. Ich kehre in mein Reich zurück, das ich, um Menschenherzen zu er proben, verlassen habe, und du gehst in das Tal der guten Wünsche. Ich bin eine Glücksmaus und bringe dem Glück, der eine gute Tat vollbringt. Das hast du getan, und ich will dich beschenken. Nimm den goldenen Ring, den ich am Hals trage und du kannst dir drei Wünsche damit erfüllen. Drehst du ihn einmal an deinem Finger, so ist der erste Wunsch erfüllt. Noch zwei Wünsche kannst du tun, dann ist die Zauberkraft vorbei. Also bedenke immer, ehe du den Wunsch aussprichst!"

Stoffel war nicht wenig verwundert, als er die Maus so sprechen hörte. Ehe er noch wusste, wie ihm geschah, war die Maus verschwunden, in seiner Hand je doch lag der goldene Ring. Drei Wünsche konnte er damit tun. Oh, welche Freude. Sollte er sogleich damit beginnen? Doch nein, die Maus sprach noch vom Tal der guten Wünsche. Dorthin wollte er gelangen. Ganz in Gedanken schlug er den Weg zur Rechten ein. Da saß am Wegrand ein alter Mann und flehte um eine Gabe Verlegen kramte Stoffel in seinen Taschen, Er fand nicht einen Groschen oder ein Stück Brot An seiner Hand jedoch funkelte der Zauberring. Ohne sich lange zu besinnen drehte er ihn und sprach zu sich: “So wünsche ich, dass der arme Mann nicht mehr zu hungern braucht." Zu seinem Er staunen stand vor dem Mann auf einmal ein „Tischleindeckdich". Stoffel musste mit zugreifen und sich an den guten Speisen laben, und dann schied der Alte von ihm. Nun, ein Wunsch ist getan, überlegte Stoffel. Ich habe aber noch zwei Die reichen für mich. Und er freute sich, dass er dem armen Mann so gut helfen konnte. Es dämmerte bereits, als Stoffel zu einer Wegkreuzung kam. Dort saß wieder ein alter Mann, in Lumpen gekleidet, und bat um eine Gabe, „Nur einen Groschen, guter Freund, schenkt mir!" Wiederum blieb Stoffel stehen, und sein Herz wurde von Mitleid erfüllt. Er musste dem Greis helfen. Und er drehte den Ring und dachte: So wünsche ich mir, dass der alte Mann keine Not leiden braucht. Und sieh plötzlich befand sich in der Hand des Alten eine Geldtasche, die er voll Freude öffnete. Es lag zwar nur ein Groschen darin, doch hatte dieser die Zauberkraft, nie auszugehen. Der Alte verließ den Burschen mit Dankesworten und war bald seinen Blicken entschwunden. Jetzt habe ich nur noch einen einzigen Wunsch, dachte Stoffel. Ich will mir den recht überlegen. Es reute ihn aber nicht, daß er den armen Menschen geholfen hatte.

Da die Nacht hereinbrach, wäre Stoffel gern in einer Herberge gewesen. Er war müde und hungrig und wusste nicht, wohin der Weg führte. Nach einer langen Weile kam er zu einer Hütte. Lieber ein Dach über dem Kopf als keines auf freiem Feld, dachte er und klopfte an. Er hörte eine Stimme, die bat, einzutreten. Als Stoffel die Tür öffnete, kam er in eine armselige Kammer, Bei der Herdstelle saß ein altes Mütterchen und bat den späten Gast, näher zu kommen. Bald erkannte Stoffel, das die Alte blind war, und vernahm ihre Not. Das Mütterchen weinte bitterlich und klagte. Da wurde Stoffel ganz still, und er sah, dass er mit seinen gesunden Gliedern und Augen unsagbar reich war. Er konnte arbeiten und war jung und kräftig. Er hatte Augen, die fröhlich in die Welt hinausschauten. Musste er da nicht sogleich der Armen helfen? Eigentlich brauche ich gar nichts für mich zu wünschen, dachte er schnell. Er drehte den Ring und sprach langsam: „So wünsche ich mir zum letzten Mal, dass Mütterchen klare Augen bekomme." Kaum hatte er das gesagt, sprang die Alte auf und umarmte ihn voll Freude. Sie hatte wieder das Augenlicht bekommen. Nun musste Stoffel ihr von der Glücksmaus erzählen. Und die Alte lief geschäftig hin und her und brachte Milch und Brot zum Essen. Dann legte sie eine Decke auf den Boden hin und bat Stoffel, er solle sich zur Ruhe begeben. So tief und festhatte er noch nie geschlafen. Er hatte einen schönen Traum, von einer Mühle, still am Bachesrand, in einem wundersamen Tal, und wachte morgens auf. Verdutzt schaute er umher. Er lag in einem weichen Bett in einer netten Kammer, Klipp, klapp! tönte es zum Fenster herein. Da sprang Stoffel auf und lief hinaus. Was er sah, das konnte er erst recht nicht verstehen. Ein freundliches Mühlenhaus stand am Bache. Das Mühlenrad drehte sich, und Säcke voll Getreide standen zum Mahlen bereit. Ein Pferd mit einem Wagen wartete auf den Herrn, Tauben gurrten auf dem Dach, und Hühner gackerten im Hof. „Wunder über Wunder!" rief Stoffe! „Vom Mäuslein kam ich zum Mühlenhäuslein." Der Hahn krähte laut: „Kikeriki! Der Herr von der Glücksmühle ist hier!" Bald fand Stoffel auch eine Erklärung für sein Glück. Denn der Ring an seinem Finger war über Nacht verschwunden. So schlugen die drei verschenkten Wünsche doch noch zu seinem Glück aus, und das war das letzte Geschenk der Maus. In der Mühle zog frohes Lehen ein. Stoffel freite ein braves Mädchen und genoss bald großes Ansehen in Dorf und Stadt. Die Mühle hieß weit und breit nur „Die Glücksmühle". (Liane Keller)