Die Geschichte des Müller

Müller wurden vom Volke oft nicht sehr hoch geachtet. Da man ohnehin nicht viel von Technik verstand, konnte es bei diesen geheimnisvollen Mechanismen nur mit dem Teufel zugehen. Man gab einen Sack Getreide ab, und bekam viel weniger zurück. Dabei begriff man nicht auf Anhieb, dass Getreidemehl bei gleichem Gewicht ein viel geringeres Volumen hat. Es konnte auch nie genau nachgewiesen werden, ob der Müller nun seinen ihm rechtmäßig zustehenden Anteil genommen hatte oder noch mehr. Da man dem Müller auch Unehrlichkeit unterstellte, sagte man: " In der Mühle ist das beste, dass die Säcke nicht reden können". Windmühlen standen häufig abseits des Dorfes, und der Müller führte somit ein Leben, welches von der Bevölkerung nicht so ohne weiteres eingesehen werden konnte. Oft musste er dankbar sein für eine Stunde Wind, die ihm das Wetter bescherte. Daher kam es nicht selten vor, dass sich die Flügel seiner Mühle auch des nachts drehten, wenn rechtschaffende Leute in ihren Betten lagen. Der Volksmund sagte, dass das Mahlen bei Nacht mit dem Teufel einhergehe. Da der Müller mehr als alle anderen das Wetter beobachten musste, hatte er im Laufe seines Lebens diesbezüglich viele Erfahrungen gesammelt. Deshalb galt er auch häufig als "Wetterprophet". So umstritten seine Position auch sein mochte, einen so wichtigen Faktor stellte er für die Bevölkerung dar. Der Müller, der als Beherrscher des Windes und des Wasser angesehen wurde, hatte eine gewisse Machtposition.

Der Beruf des Müllers heute

In unserer industrialisierten Welt haben nur wenige der traditionsreichen alten Handwerksberufe überlebt. Der Müller gehört dazu, denn er hat es verstanden, sich die Errungenschaften moderner Technik zunutze zu machen. Es gibt auch heute noch viele handwerkliche Mühlen, aber der überwiegende Teil sind mittlerweile Industriebetriebe. Darunter sind einige Betriebe, die bis zu 1000 Tonnen Tagesleistung haben. Für Nostalgie (der Müller mit Zipfelmütze und Mehlsack über der Schulter) ist da kein Platz mehr - heute kommt der Müller mit einem Silofahrzeug und bläst das Mehl mit Pressluft in die Bäcker-Silos.

Der MMüller produziert:

  • in einer Getreidemühle aus Roggen und Weizen u.a. Mehl, Grieß, Dunst und Nebenprodukte
  • in einer Schälmühle aus Hafer, Gerste, Mais, Reis und Hirse u.a. Flocken, Grütze, Graupen
  • in einem Mischfutterbetrieb aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Grundstoffen Mischfutter für Nutz-, Heim-, Zootiere sowie für Wild.

Die Lehrzeit beträgt für Müller 3 Jahre. Bei Realschulabschluss oder Abitur kann sich die Ausbildungszeit bis auf 2 1/2 bzw. 2 Jahre verkürzen. Die Berufsschule findet in Blockform statt. Die Unterrichtszeit beträgt ca. 12 Wochen/Jahr. Nach der Antriebsart wurden früher Wassermühlen und Windmühlen unterschieden. Windmüller gab es in Mitteldeutschland erst seit dem 18. Jahrhundert. In den Mahlmühlen wurden vom Mahlmüller Mehl und Schrot für die Ernährung hergestellt. In den uneigentlichen Mühlen wurde die Wasserkraft zur Bearbeitung verschiedenartiger Materialien benutzt, wie u. a. in Papiermühlen, Walkmühlen, Lohmühlen, Hammermühlen und Schneidmühlen.

Quelle: www.deutsche-muehlen.de