Müllersagen aus dem Saarland

Aus den vielen Müller- und Mühlensagen haben wir einige wenige ausgewählt. Wer noch weitere nachlesen möchte, findet diese u.a. bei LOHMEYER, Die Sagen der Saar, Band 1 und 2, sowie in dem Band der Saarbrücker Zeitung. Sagen, Märchen und Legenden aus dem Saarland.

Der Spuk in der Jean Claudener Mühle.

Zwischen Lebach und Jabach an der Theel lag bis vor kurzem eine jahrhundertalte Mühle, nach ihrem Erbauer Jean Claudener Mühle genannt. Auf dieser Mühle lastete von jeher ein Fluch. Nicht einer der vielen Besitzer hatte hier Glück. Einige von ihnen hatten in der Mühle Selbstmord begangen, und es verging nicht eine Nacht, in der es in der Mühle ruhig zuging. Zu Anfang der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts war ein Mann namens Lonis Jakob Besitzer dieser Mühle. In der Wohnstube seines Hauses, die durch einen langen außergewöhnlich breiten Flur zu den hinter dem Wohnhaus gelegenen Räumen der Mühle führte, kamen an langen Winterabenden Freunde des Hauses zusammen, um zu „meien". Der Knecht des Müllers, der nachts die Frucht mahlte, hatte schon oft Laute und eigenartige Geräusche im Gang des Hauses und in der Mühle vernommen und fast ebenso oft schon dem anwesenden Ackergehilfen von Jabach davon erzählt. Der Müller und die Seinen aber hielten den Spuk geheim, weil sie befürchteten, geschäftliche Nachteile zu haben. Da geschah es an einem Winterabend des Jahres 1883.

Draußen lag Schnee als ihrer sieben zusammen in der Wohnstube saßen und sich unterhielten, dass plötzlich die Haustüre mit einem gewaltigen Schlag aufflog, und Pferde mit Geklingel und Peitschengeknall durch den großen Hausflur in die Mühle hineintrabten. „Hast du es nun gehört? Glaubst du es jetzt !“, herrschte der Müllerknecht den Jabacher Ackergehilfen an. „Ich glaube nicht an Gespenster und fürchte den Teufel in der Hölle nicht!“ rief dieser ihm entgegen. „Gut!" versetzte der Müllerknecht, in dem er einen Taler auf den Tisch legte. „Nimm diesen Taler! Und du darfst ihn behalten, wenn du auf der Stelle in die Mühle gehst!" Lachend steckte der Jabacher den Taler ein und ging schnell durch den Hausgang in die Mühle. Aber schneller als er gegangen war, kam er zurück, warf den Taler auf den Tisch und ließ sich zitternd und leichenblass auf einen Stuhl beim Ofen nieder. Zur selben Zeit ertönte aus der Mühle ein lauter schriller Pfiff. „Mit diesem Zeichen", erklärte der Müllerknecht, „verschwindet der Spuk." Die Freunde des Müllers waren durch den unheimlichen Vorgang erschrocken, sie besuchten seitdem die Mühle seltener und zogen sich nach und nach ganz zurück. Selbst der Müller wollte nicht mehr bleiben. Er verkaufte sein Anwesen. Auch spätere Besitzer der Mühle waren noch vom Unglück verfolgt.

Die Teufelsbeschwörung in der Düppenweiler Mühle

Vor langer, langer Zeit diente in einer Düppenweiler Mühle ein Knecht, der um jeden Preis reich werden wollte. Er verschaffte sich ein Zauberbuch, über dem ohne Wissen des Priesters die heilige Messe gelesen war. Eines Abends setzte er sich mit einigen gleichgesinnten Burschen in eine Kammer der Mühle, um die Hexerei vorzunehmen. In die Mitte der Stube hatten sie eine große Bauchbütte gestellt. Sie nahmen das Hexenbuch und begannen die Zauberformeln zu lesen. Aber ohne Erfolg. Da erinnerte sich einer der Anwesenden daran, dass manHexen- bücher von hinten nach vom lesen müsse. Kaum hatten sie von rückwärts zu lesen begonnen, da wurde es draußen unheimlich dunkel. Ein gewaltiger Sturm erhob sich. Die Spitzen der Pappeln, die vor dem Hause standen, beugten sich und wuchsen zum Fenster der Kammer hinein. Dann öffnete sich die Tür, und der Schwarze mit dem Pferdefuß trat unter die Gesellen. „Wenn ich euch dieses Gefäß voll Gold zaubern soll, so muss einer von euch mit mir gehen", verlangte der Satan. Da erschraken alle, und einer, der so seine Seele retten wollte, rief: »Herr Deuwel, nehmt euch den Roten da", und dabei zeigte er auf einen Gesellen mit rotem Haarschopf. „Davor bewahre mich unser lieber Herr Jesu Christ", schrie der Gezeichnete entsetzt und schlug ein Kreuz. Im selben Augenblick verschwand der Teufel und ließ einen pestilenzartigen Gestank zurück. Der Sturm ließ nach, der Himmel wurde klar, und die Pappeln nahmen ihre natürliche Haltung wieder ein. Die Hexer aber lagen alle in einer tiefen Ohnmacht. Als sie zu sich kamen, fanden sie die Bauchbütte wirklich vollgehext, aber nicht voller Goldtaler, sondern voll — Pferdemist.